Checkliste Gefahrgutversand für KMU – sicher, effizient und gesetzeskonform

In diesem Artikel erfahren Sie , warum Gefahrgutversand in vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) kein täglicher Standardprozess ist. Genau das ist der Kern des Problems: Wenn Gefahrgut nur „ab und zu“ versendet wird, entstehen Fehler häufig nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus fehlender Routine, unklaren Zuständigkeiten oder verstreuten Informationen. Das Ergebnis sind Sendungsstopps, Rücksendungen, zusätzliche Kosten, Zeitverlust – und im Ernstfall unnötige Risiken.

Mit einer klaren, internen Checkliste bringen Sie Struktur in den Ablauf: Sie reduzieren Fehler, schaffen eine saubere Dokumentation und stellen sicher, dass Ihre Mitarbeitenden die wichtigsten Punkte vor dem Versand zuverlässig prüfen. Die folgende Checkliste ist so aufgebaut, dass Sie sie direkt als Prozess im Unternehmen nutzen können – Schritt für Schritt vom Produkt bis zur Archivierung.

Schritt 1 – Produkt einstufen und UN-Nummer prüfen

Die Einstufung entscheidet darüber, wie Sie verpacken, was Sie kennzeichnen müssen, welche Dokumente erforderlich sind und ob der Transport über den gewünschten Versandweg überhaupt zulässig ist.

Checkpunkte (vor dem Verpacken prüfen):

  • Sicherheitsdatenblatt prüfen (insbesondere Abschnitt 14)

  • Richtige UN-Nummer identifizieren

  • Sondervorschriften beachten (z. B. SV188 bei Lithium-Batterien, falls anwendbar)

  • Gefahrgutklasse bestimmen (z. B. Klasse 9 bei Lithium, Klasse 3 bei entzündlichen Flüssigkeiten)

  • Versandweg berücksichtigen (Straße/See/Luft – die Anforderungen unterscheiden sich)

Praxis-Tipp: Legen Sie intern fest, wo Sicherheitsdatenblätter, UN38.3-Nachweise und Einstufungsunterlagen zentral abgelegt werden. So vermeiden Sie, dass Mitarbeitende mit veralteten Versionen arbeiten oder Dokumente „zusammensuchen“ müssen.

Schritt 2 – Verpackung auswählen

Die Verpackung muss vorschriftskonform und gleichzeitig praxisfest sein: Sie soll das Gefahrgut zuverlässig schützen und typische Belastungen im Transport (Sturz, Druck, Stapelung, Umschlag) sicher abfangen.

Checkpunkte (Verpackung & Schutz):

  • UN-zugelassene Verpackung (falls erforderlich, z. B. 4G / 4H2)

  • Polschutz (besonders relevant bei Batterien/Akkus)

  • Dichtheit (bei Flüssigkeiten und auslaufgefährdeten Stoffen)

  • Sturz- und Stapeldruckfestigkeit

  • Innenverpackung bei Flüssigkeiten (falls erforderlich)

  • Lithium-Batterien nach relevanter Verpackungsvorschrift verpacken (z. B. P903 – abhängig von Einstufung und Versandart)

Praxis-Tipp: Definieren Sie 1–3 Standard-Verpackungssets für Ihre häufigsten Gefahrgüter (inkl. Fotos). Das senkt Fehlerquoten massiv – insbesondere bei Vertretungen und Zeitdruck.

Schritt 3 – Richtige Kennzeichnungen anbringen

Kennzeichnungen sind in der Praxis oft der Punkt, an dem Sendungen bei Carriern scheitern: falsches Label, falsche Größe, falsche Position oder veraltete Versionen. Damit eine Sendung reibungslos durchläuft, müssen Kennzeichnungen sichtbar, korrekt und sauber angebracht sein.

Mögliche Pflichtkennzeichnungen (je nach Gefahrgut):

  • UN-Nummer

  • Gefahrzettel (z. B. Klasse 3, Klasse 9)

  • Lithium Battery Mark (falls zutreffend)

  • Absender/Empfänger

  • Handling Labels (falls erforderlich)

Checkpunkte (Label-Qualität & Platzierung):

  • Richtige Größe der Labels

  • Keine veralteten Labels / Vorlagen

  • Deutliche, saubere Platzierung (nicht über Kanten, nicht verdeckt, nicht auf Falten)

  • An der richtigen Stelle angebracht (gut sichtbar, transportgerecht)

Praxis-Tipp: Halten Sie intern eine aktuelle „Labelbibliothek“ bereit (PDF/Template) und definieren Sie, wer die Vorlagen pflegt.

Schritt 4 – Dokumente vorbereiten

Je nach Gefahrgut und Transportart sind unterschiedliche Dokumente erforderlich. Häufige Probleme entstehen, weil Dokumente unvollständig sind, die falsche Version genutzt wird oder Nachweise (z. B. für Lithium) nicht griffbereit sind.

Mögliche Dokumente (abhängig von Gefahrgut & Transportweg):

Checkpunkte (Dokumenten-Check):

  • Dokumente vollständig?

  • Aktuelles Sicherheitsdatenblatt vorhanden?

  • UN38.3 vorhanden (falls Lithium enthalten)?

  • Dokumente korrekt ausgefüllt (Daten, Bezeichnungen, Format)?

  • Kopie für Archiv abgelegt?

Praxis-Tipp: Arbeiten Sie mit einer festen Dokumenten-Checkliste pro Versandweg (Straße/See/Luft). So vermeiden Sie, dass die Anforderungen vermischt werden.

Schritt 5 – Carrier auswählen

Nicht jeder Transportdienstleister nimmt Gefahrgut an. Und selbst wenn Gefahrgut grundsätzlich möglich ist, gelten je nach Carrier Produktregeln, Ausschlüsse, Limits, Zusatzanforderungen und Zuschläge.

Checkpunkte (Carrier-Entscheidung):

  • Carrier-Richtlinien geprüft?

  • Gefahrgutfähigen Dienstleister gewählt?

  • Bei Luftfracht strengere Regeln berücksichtigt?

  • Versandkosten & mögliche Aufschläge eingeplant?

Wenn Sie vermeiden möchten, dass Sendungen erst im Prozess abgelehnt werden, lohnt sich eine feste Carrier-Strategie pro Gefahrgutgruppe. Wenn Sie unsicher sind, finden Sie Unterstützung auf unsere Gefahrgut-Seite.

Schritt 6 – Mitarbeiterschulung sicherstellen (ADR 1.3)

Ein stabiler Gefahrgutprozess steht und fällt mit den beteiligten Personen. ADR fordert für alle Mitarbeitenden, die an der Beförderung beteiligt sind, eine Schulung nach Kapitel 1.3 (je nach Rolle und Aufgabenbereich).

Checkpunkte (Schulung & Nachweis):

  • Alle Versandmitarbeitenden geschult?

  • Unterweisungen dokumentiert?

  • Neue Mitarbeitende vor dem ersten Gefahrgutversand eingewiesen?

  • Regelmäßige Auffrischung berücksichtigt?

Praxis-Tipp: Planen Sie kurze, wiederholbare Unterweisungen (z. B. 30–45 Minuten) mit konkreten Beispielen aus Ihrem Versandalltag. Das ist wirksamer als reine Theorie.

Schritt 7 – Versandfreigabe & Archivierung

Bevor das Paket das Lager verlässt, sollte eine klare Versandfreigabe erfolgen. Damit verhindern Sie, dass einzelne Punkte „untergehen“, und Sie stellen gleichzeitig die Nachweisfähigkeit sicher (wichtig bei Rückfragen, Audits oder Schadenfällen).

Checkpunkte (Finale Freigabe):

  • Verpackung geprüft

  • Labels korrekt angebracht

  • Dokumente beigefügt / digital bereitgestellt

  • Kopien archiviert

  • Versandfreigabe erfolgt (intern dokumentiert)

Fazit: Mit Checkliste wird Gefahrgut im KMU beherrschbar

Mit einer professionellen Checkliste setzen Sie Gefahrgutprozesse im KMU sicherer, effizienter und nachvollziehbarer um. Sie reduzieren typische Fehlerquellen, minimieren rechtliche und finanzielle Risiken und beschleunigen Abläufe – weil klar ist, was wann geprüft werden muss.

Wenn Sie eine vollständige Checkliste als Vorlage, ein Prozess-Audit oder Unterstützung im Tagesgeschäft benötigen, können Sie direkt anfragen:

Nach oben scrollen