Zolltarifnummer richtig bestimmen – kompakter Leitfaden für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
In diesem Artikel erfahren Sie, warum die richtige Zolltarifnummer so wichtig ist?
Die Zolltarifnummer (HS-Code / Warennummer) entscheidet über Zölle, Verbote, Genehmigungen, Exportkontrolle und statistische Meldungen. Ein kleiner Fehler führt schnell zu:
- Verzögerungen beim Zoll
- falschen Einfuhrabgaben
- Rückfragen oder Prüfungen
- Bußgeldern
- steuerlichen Problemen
Für KMU, die nur gelegentlich exportieren oder importieren, ist die korrekte Einreihung daher entscheidend.
Was ist die Zolltarifnummer?
Die Zolltarifnummer ist die „Identität“ einer Ware im Außenhandel.
Sie besteht aus:
- HS-Code (6-stellig, weltweit gültig)
- KN-Code (8-stellig, EU-weit)
- nationaler Warennummer (11-stellig, in Deutschland für ATLAS)
Beispiel E-Bike-Batterie: 8507 60 00 00
Wie KMU die richtige Zolltarifnummer bestimmen
1. Warenbeschreibung präzisieren
Die wichtigste Grundlage ist eine exakte Warenbeschreibung:
- Woraus besteht die Ware?
- Wofür wird sie verwendet?
- Wie funktioniert sie?
- Einzelteil oder Komplettprodukt?
- Elektrisch, mechanisch oder chemisch?
- Hilfsstoff, Ersatzteil oder Hauptprodukt?
Je genauer die Beschreibung, desto leichter die korrekte Einreihung.
2. TARIC-Datenbank nutzen
Die TARIC-Datenbank der EU hilft bei der ersten Orientierung.
Sie zeigt:
- Warennummern
- Zollsätze
- Verbote
- Genehmigungspflichten (z. B. Dual Use)
Aber: TARIC liefert nur Orientierung – nicht immer eine eindeutige Lösung.
3. Einreihungslogik anwenden
Die Zolltarifnummer basiert auf den Allgemeinen Vorschriften.
Die wichtigsten Prinzipien:
a) Waren nach ihrem Wesen einreihen – Nicht nach Verwendungszweck – außer dieser ist prägend.
b) Einzelteile vs. Komplettgeräte – Einzelteile werden oft separat eingereiht.
Beispiel: Eine Lithium-Batterie ist niemals Zubehör, sondern ein eigener Tarifcode.
c) Materialentscheidendes Merkmal – Bei Textilien, Werkzeugen, Hygieneprodukten usw. entscheidet das Material.
4. Zollinformationen und Datenblätter prüfen
Für eine saubere Einreihung sind oft zusätzliche Informationen nötig:
- technische Datenblätter
- Sicherheitsdatenblatt
- Herstellerangaben
- Funktionsbeschreibung
- chemische Zusammensetzung (bei Chemikalien)
Wenn eine Ware komplex ist, kann über den Zoll eine verbindliche Zolltarifauskunft beantragt werden.
- gilt 3 Jahre
- schützt vor falscher Einreihung
- bindend für Behörden
Für KMU ideal, wenn es um regelmäßig importierte/exportierte Produkte geht.
1. „Ähnlich wie“ reicht nicht. Viele suchen eine Nummer, die „ungefähr passt“. Das führt fast immer zu falschen Ergebnissen.
2. Zubehör falsch eingereiht: Ersatzteile, Batterien, Kabel, Halterungen → fast immer eigene Tarifnummer.
3. falsche Beschreibung: „Elektronisches Gerät“ ist wertlos. Zoll braucht exakte Angaben.
4. falsche Annahmen beim Material: z. B. Textil, Kunststoff, Metall → komplett unterschiedliche Kapitel.
5. Blind auf TARIC verlassen: TARIC zeigt Zölle – aber nicht immer die korrekte Einreihung.
Die korrekte Einreihung beeinflusst:
- Zollabgaben
- Genehmigungspflichten
- Exportkontrollvorgaben
- Verbote
- Dokumente
- ATLAS-Anmeldungen
Fehler sind teuer – und sie fallen immer erst beim Zoll auf.
Für KMU lohnt sich eine fachliche Prüfung.
Checklisten und Vorlagen
Die richtige Zolltarifnummer ist entscheidend für eine reibungslose Zollabwicklung. Wer ungenau arbeitet, riskiert Verzögerungen, Nachzahlungen und Prüfungen.
Mit einem klaren Prozess und fachlicher Unterstützung können KMU Fehler vermeiden und Export wie Import sicher gestalten.
